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Alles was bleibt

Kapitel 47

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Sollte es möglich sein? Vielleicht konnte man ja tatsächlich die Vergangenheit hinter sich lassen, vergessen, noch einmal neu anfangen. Vielleicht war das hier ein Geschenk für mich, eine zweite Chance, die ich nutzen sollte. Es fühlte sich so gut an und es war kein Traum. Ich wollte es versuchen. Ich wollte loslassen und nach vorne sehen. Ich wollte sie, wollte das sie blieb, wollte verdammt nochmal diese zweite Chance mit ihr. Ich wollte es so sehr. Ich spürte die Erhitzheit meines Körper bis in die kleinste Faser. Meine Wangen glühten, meine Beine fühlten sich wie Wackelpudding an und mein Herz pochte kräftig. Ein Lächeln erschien auf meinen Lippen. Nein, diesmal lag es nicht an Carol. Auch wenn mir der Gedanke an letzte Nacht einen Schauer über die Haut jagte und mein Magen sich seltsam anfühlte, als würden darin immer wieder viele winzige Flügel schlagen. Ich hatte nach der Arbeit einfach mein Rad aus dem Keller geholt und war los gefahren. Den ganzen Tag über war ein Gefühl in mir gewachsen, dass mich beinahe verrückt machte. Es hatte sich wie kurz vor der Explosion in mir angefühlt und ich  kam mir so hilflos vor, wie wenn man am Strand eine riesige Welle auf sich zukommen sieht oder wie Autolichter im Dunkeln wie aus dem Nichts auf einen Zuhalten und man nichts dagegen tun kann. Ich musste etwas dagegen unternehmen, denn ich hasste dieses Gefühl. Ich konnte es nicht erklären oder definieren, es war wie eine Aufregung vor etwas Ungewissen, wie ein Adrenalinausschuss, nur dass er nicht wieder aufhörte. Das einzige was mich davor rette, nicht durch zu drehen oder gegen eine Wand zu laufen, war mich auszupowern. Und jetzt stand ich hier auf der Aussichtsplattform der Vogelinsel, stützte mich an das Geländer um etwas Halt vor Erschöpfung zu finden und drehte gedankenverloren meinen Fahrradhelm in meinen Händen. Wie einen das Leben doch manchmal quälen, aus der Bahn werfen und überraschen kann? Ich konnte es noch immer nicht fassen. Ich war mit einer Frau zusammen. Mit dieser unglaublich schönen, beeindruckenden, wundervollen Frau

Mit ihr, mit Carol. WOW und nochmal WOW! Nie, in keinsten meiner Träume, hätte ich daran gedacht. Es war seltsam, doch alles was ich damals von ihr wollte war ihre Nähe. Daran erinnerte ich mich noch ganz genau. Nur ihre Nähe, nichts anderes, keine Berührung, keine Küsse, nichts von dem war mir als Schülerin in den Sinn gekommen. So war es auch all die Jahre in meinem Herzen gewesen, ein nahezu unschuldiges, naives Gefühl. Ich hatte mich nach ihr gesehnt, aber konnte es nicht ergründen oder beschreiben und da ich es sowieso schließlich als Hirngespinst oder Träumerei abgetan hatte und diese Gefühle aus meinem Innern vertreiben oder wenigstens wegsperren wollte, hatte ich nie darüber nachgedacht, was wäre, wenn sie diese Nähe zuließ, wenn sie das gleiche wollte von mir. Vielleicht war es so, weil ich nie selbst an die Erfüllung dieses heimlichen Traumes geglaubt hatte, weil ich wusste, dass es unmöglich war diese Nähe zwischen Lehrerin und Schülerin. Aber vielleicht war es auch, weil ich überhaupt dieses Gefühl gegenüber einer Frau damals nicht wirklich begreifen konnte. Mein Zeigefinger fuhr ganz unbewusst über die linke Seite meiner Stirn und ertaste eine Narbe, die sich stets geschickt unter meinem Haar versteckte. Sie zu spüren, rief mir ins Bewusstsein, dass dieser letzte Gedanke nicht stimmte. Ich hatte damals, zumindest ansatzweise genau verstanden, was das für ein Gefühl war und diese Erkenntnis oder besser gesagt, ICH hatte damit alles zerstört, wie mich meine Narbe gerade schmerzlich daran erinnerte. Genau deswegen hatte dieses Gefühl, dass immer wieder über mich schwappte, mich einholte, sobald ich nur an Carol dachte, verschwinden sollen. Ich hatte es loswerden wollen, mich nie wieder davon so gefangen nehmen lassen. Ich schüttelte meinen Kopf, so als könnte ich damit die Angst und die Bilder der Vergangenheit verscheuchen. Meinen Helm verstaute ich in meinen Rucksack und griff nach meiner Wasserflasche. Mein Hals war trocken und ich hatte großen Durst. Dieses stille, klare Wasser, wenn auch schon etwas erwärmt, war eine Wohltat. Nachdem ich es wieder weg gepackt hatte, ließ ich meinen Blick in die Ferne schweifen, über den hellblauen Himmel mit lauter kleinen Wattewolken, dann über den großen See, das Schilf. Ich sah die Vögel relativ nah vor mir, schatternd, badend, tauchend. Eine Schar Gänse kam gerade angeflogen und landete hörbar auf dem Wasser. Dagegen ließ sich ein grauer Reiher weiter hinten komplett lautlos nieder und verharrte daraufhin auf Beute lauernd wie eine Statue

Ich atmete tief ein und spürte wie die frische Luft meine Lungen erfüllte. Carol hatte recht. Es hatte sich etwas geändert. Ich hatte mich verändert. Ich musste wirklich aufhören in der Vergangenheit zu leben, nach vorne sehen. Sie war nicht mehr meine Lehrerin und ich nicht mehr ihre Schülerin und ich wollte mich nicht mehr von dieser Angst beherrschen lassen. Ich schloss die Augen für einen Moment und genoss diesen leichten Windhauch in meinem Gesicht. "Meine Freundin!" flüsterte ich hinaus in die Weite, als hoffte ich mich dadurch zu überzeugen, dass es Wirklichkeit war, kein Traum, sondern ganz echt und wahr. Erinnerungen an letzte Nacht kamen zurück und den heutigen Morgen und ich ließ sie lächelnd zu. Ich spürte ihren Körper ganz nah, ihre Hand auf meinem Bauch. Ich sah sie mit meinem inneren Auge vor mir, wie sie heute früh in ihre Jeans gestiegen war, wie ihr Haar nach hinten fiel und sie sich zu mir beugte. Ich fühlte ihre Lippen auf meinen, als hätte sie mich gerade eben erst geküsst. Meine Finger berührten meinen Mund und ich musste die Augen aufschlagen, um nicht den Halt zu verlieren. Meine Wangen glühten und meine Beine gaben beinahe nach. Ich spürte das ernergische Pulsieren meiner Ader am Hals. Doch dieses Mal lag es allein an Carol. Dabei war sie nicht einmal hier. In diesem Moment erkannte ich es. Nahm es ganz bewusst wahr. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Ich sehnte mich noch immer nach ihrer Nähe. Doch dieses Mal wollte ich mehr, viel mehr